Isabella Schicktanz
Tanzt der Körper, gerät die Seele in Bewegung

Die Einraumbeute – meine persönliche Bewertung dieser Beute und Betriebsweise

Ich selbst habe ein Jahr zuvor 2016 mit der Bienenkiste begonnen. Grundsätzlich bin ich noch immer überzeugt von dieser Betriebsweise, weil sie den wesensgemäßen Prinzipien am nächsten kommt. Für mich als Anfängerin hat diese Betriebsweise aber auch viele Nachteile, so dass ich zur Einraumbeute – die den Prinzipien meines Erachtens am nächsten kommt – gewechselt bin.

Weil für mich die wesensgemäßen Kriterien der Bienenhaltung am wichtigsten sind, sehe ich diese in der Einraumbeute am besten gelöst. Zu den Pluspunkten zählen hier für mich:

  • Es handelt sich um einen Raum. So bleibt das Volk in dem einen Raum als Ganzes zusammen und wird nicht durch weitere aufgesetzte Zargen oder Absperrgitter getrennt. Dies kommt der Idee, den „Bien“ als Ganzes zu behandeln am nächsten.
    => dies stimmt in der ursprünglichen Betriebsweise voll und ganz. Allerdings gibt es inzwischen schon einige Imkerfachhandel (wie beispielsweise Bienen-Janisch in Österreich oder fribin), die Aufsetzzargen und Absperrgitter anbieten. Ich selbst habe damit keinerlei Erfahrung und ich denke, dass 22 Rähmchen (dieser Größe: Dadant) für große Völker in der Raps- oder Obstblüte ausreichen müssten.
  • Der Raum kann durch Hinzufügen oder Entnehmen von Rähmchen der Volksstärke und dem Bedürfnis angepasst werden. Im Spätherbst/Frühwinter kann der Raum des Volkes dann gut eingeengt werden, um im Herbst den Raum besser zu klimatisieren und im Winter nur weniger Raum beheizen zu müssen. Im Frühjahr kann durch Hinzufügen weiterer Rähmchen den Bedürfnissen der Volksgröße entsprochen oder die Schwarmstimmung reguliert werden. Insgesamt hat man maximal 22 Hochwaben im Dadant-Maß zur Verfügung. Das ist wirklich ein riesiger Raum!
  • Man hat Platz für bis zu 22 große Hochwaben im Dadant-Format. Dies ist eine sehr große Wabengröße, so dass die Bienen ein großes Brutnest anlegen können (was sie auch tun) und im Winter einen langen Zehrweg beim Futter haben. Die Hochwabe kommt der natürlichen Herzform der Bienen am nächsten und ist die beste Wabenform für die Volksentwicklung.
    Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich Mitte 2017 bei Holtermann in Brockel war. Ich habe eine meiner Rähmchen mitgenommen, weil ich sehen wollte, ob ich dort einen Ablegerkasten für dieses Maß bekomme (Fehlanzeige). Ich wurde von vier Imkern angesprochen, die neugierig mein Rähmchen beäugten und nach der Betriebsweise fragten. Wie oft wurde gesagt: „Ja, die Hochwabe ist eh´ viel besser für die Bienen“.
    Der bekannte Futterabriss im Winter ist bei richtiger Einfütterung bei diesen großen Hochwaben nahezu unmöglich.
  • Ich kann die Einraumbeute insgesamt deutlich höher stellen, weil ich keine Zargen abnehmen muss. Ich öffne den Deckel damit auf Hüfthöhe, entferne die Wärmeisolierung und kann nach Hochheben des Wachstuchs direkt das ganze Volk erblicken – auf einer Ebene (in einer Reihe). Für mich auch sehr hilfreich, weil ich keine schweren Zargen heben muss und ich jederzeit mit geradem Rücken die Durchsicht durchhführen kann.
    Das Schwerste sind nur die vollen Honigwaben im Sommer (wenn man diese herausnimmt), alles andere ist sehr einfaches Arbeiten auf meiner Höhe – leichter geht es ohne technische Hilfsmittel nicht. Ein für mich sehr entspanntes und Rücken-schonendes Arbeiten.
    Man könnte – ähnlich wie bei Möbeln in Küchen – damit ja eigentlich die Einraumbeute auf die individuelle Arbeitshöhe anpassen.
  • Das Arbeiten in und mit der Einraumbeute ist sehr entspannt - für alle Beteiligten. Natürlich hängt die Sanftmut der Bienen von der Rasse/Züchtung und dem Imker/der Imkerin ab, aber ich bin davon überzeugt, dass die Sanftmut auch von der Bienenwohnung/der Beute abhängt. Wenn ich die Völker immer wieder auseinandernehme (durch Zargen und Honigraum), durch den schweren Umgang auch quetsche usw., dann bin ich davon überzeugt, dass sich die Völker dies merken und anders reagieren. Meine drei Einraumbeuten, mit denen ich gestartet bin, sind im Dreieck aufgebaut. Ich kann mich genau in die Mitte setzen und den Wirbel und vor allem die Düfte genießen. Dabei kann ich mein Nachmittags-Kaffee ohne Probleme und vollkommen entspannt inmitten der drei Völker genießen. 
  • Beim Arbeiten und Wabenziehen liegt über den Großteil des Volkes das Wachstuch. Das ist wirklich von wichtigem Vorteil. So kann ich auf der linken Seite beginnen, die Waben zu untersuchen, indem ich das Wachstuch nur leicht anhebe und nach beispielsweise drei oder vier Waben umschlage. Somit „störe“ ich nur die Bienen, die in diesen Wabengassen unterwegs sind. Alle anderen Bienen bekommen von dem Eingriff noch gar nichts mit. Wenn ich nur nach Weiselrichtigkeit schauen möchte (also sehen möchte, ob die Königin noch da ist und Eier legt), dann reicht diese Art des Vorgehens vollkommen aus. So taste ich mich langsam an das Brutnest und sobald ich frische Eier oder Maden sehe, beende ich meine Durchsicht und die anderen Bienen in den weiteren Wabengassen wurden nicht gestört.
    Ähnlich im Winter oder Frühjahr. Wenn ich sehen möchte, ob noch genügend Futter vorhanden ist, kann ich mich auf diese Art herantasten. Dazu müssen noch nicht einmal Waben gezogen werden: ich hebe das Wachstuch Stück für Stück und schaue in die Wabengassen. Auch in diesem Fall störe ich die Bienen nur minimal.
    Und natürlich beim Ernten des Honigs kann genauso vorgegangen werden. Man hebt das Wachstuch nur an der fluglochfernen Seite an. Dort wird in der Regel der Honig eingelagert, so dass die Waben auf dieser Seite gezogen werden könne und die Zahl der auffliegenden Bienen reduziert wird.
  • Das Einfüttern funktioniert wirklich prima. Ich selbst verwende Futtertaschen von Bienen-Janisch (die neuen Modelle von Ende 2017, die auch dicht sind J). Wir haben Aufstiegshilfen anfertigen lassen, aber da sich die Taschen schon bei drei Litern Futtersirup leicht ausdehnen, schaffen es die Bienen, an den Metall-Aufstiegshilfen vorbei zu kommen (die im leeren Zustand vollkommen am Rand abschließen). Leider kommen sie dann nicht mehr zurück – wenn der Sirup aufgebraucht wurde. Deshalb nehme ich stattdessen doch wieder Zweige von Tannen usw. Das ist ganz wunderbar und ich habe keine toten Bienen in den Taschen.
    Alternativ kann man natürlich auch Futterschalen jeder Art unten einstellen. Das hat bei mir nie so richtig funktioniert. Unter den Hochwaben ist nicht genügend Platz am Boden, aber man kann die Schalen in den fluglochfernen Raum stellen. Bei mir fanden die Bienen den Weg dort aber nicht so richtig hin und haben die Futtertaschen im Gegensatz dazu immer und ausnahmslos sofort angenommen.
  • Die Varroabehandlung wird in der Einraumbeute einfach umgesetzt. Die Träufelmethode wende ich seit der Zulassung des Sprühverfahrens nicht mehr an. Das Sprühverfahren mit Oxalsäure ist sehr einfach und deutlich bienenverträglicher. Auch die Verdampfung über die hintere Revisionsklappe (mit dem Varrox-Verdampfer) ist einfach und für mich wirklich die bienenverträglichste Variante.
    Die Ameisensäurebehandlung mit dem Nassenheider Professional ist schon etwas kniffeliger. Ich selbst habe 2017 den Nassenheider – wie von Mellifera empfohlen – in ein Rähmchen eingebaut. Bei zwei von drei Beuten hat dies auch gut geklappt. Ein Volk hat innerhalb von zwei Stunden das Tuch/Vlies oben am Oberträger schon fast vollständig abgenagt. Für diesen Fall überlege ich im nächsten Jahr, einen Aufsetzrahmen zu bauen und den Nassenheider wie gewohnt in eine Wanne auf den Rähmchen oberhalb des Volkes abzulegen. Die Wirkung ist direkt zwischen den Waben aber sicherlich besser (damit nur als Alternative für die "Zerstörerinnen").
    Mit Milchsäure habe ich die Völker im letzten Jahr noch nicht behandelt – da alles Schwärme, die bereits von den Imkern behandelt wurden – also fehlen mir hier die Erfahrungen. Allerdings wird die Anwendung analog zum Sprühverfahren mit Oxalsäure sein – und damit auch kein Problem.

Es gibt aber auch ein paar Kritikpunkte:

  • Die herkömmliche Kippkontrolle geht so natürlich nicht. Ein Blick von unten in das Volk durch Öffnen der Revisionsklappe im Sommer ist ok, Weiselzellen oder Spielnäpfe sind so aber nicht gut erkennbar. Allerdings würde ich diesem Blick von unten auch niemals trauen und doch immer alle sieben Tage eine Kontrolldurchsicht auf Schwarmzellen durchführen. Natürlich hat nicht jeder Imker die Zeit, sich zehn bis 20 Minuten für die Schwarmkontrolle pro Volk und Woche zu nehmen (schon gar nicht bei 100 Völkern und mehr), aber für uns Hobbyimker sollte dies doch kein Problem sein.
    Die fehlende Kippkontrolle im Winter kann auch nicht durch den Blick über die Revisionsklappe gelöst werden. Durch die Hochwaben befinden sich die Völker zur Wintermitte oft genau in der Mitte (auf dem Weg von unten nach oben) – nicht so einfach von unten oder von oben zu sehen. Hier hilft aber eine kleine Taschenlampe und alles ist in Sicht.
  • Der etwas knifflige Einsatz des Nassenheider Professional Verdunsters in den Rähmchen habe ich oben schon erwähnt – zumindest bei gefräßigen Völkern, die das Vlies aufessen. Meine Erfahrungen zur Wirksamkeit hierbei waren aber auch bei nicht optimalen Wetterbedingungen überdurchschnittlich gut und notfalls wäre der Aufsetzrahmen eine Alternative.
  • In dem Modell bis Ende 2017 gibt es im Spätsommer/Herbst/Winter ein kleines Schimmelproblem, wenn diese Jahreszeiten sehr feucht/nass sind. 2017/2018 war dies bei uns in Norddeutschland der Fall (trotz Wind und gutem Standort). Das Problem liegt in der Revisionsklappe, an der der Regen nicht vollständig abläuft sondern an den Schlitzen eindringen kann. Dort sammelt sich schnell erster Schimmel. Ich selbst habe dort sofort bei Bienen-Janisch sogenannte „Wetterschenkel“ bestellt und darüber angebracht. Dort war es dann trocken und der Schimmelbefall ging zurück.
    Allerdings führt der geschlossene Boden bei den feuchten Bedingungen in diesem Jahr auch zu Schimmel auf dem Boden. Es gibt zwar drei Löcher auf dem Boden – die sind aber wirklich klein. Auch die kleine Lüftungsklappe an einer der beiden Seiten ist sehr klein und scheint die Feuchtigkeit in diesem Herbst/Winter nicht ausreichend zu regulieren.
    Ich denke, dass aus genau diesem Grund in den neuen 2018-Modellen eine Erweiterung vorgenommen wurde (von diesem Modell bekomme ich zwei Beuten im Februar und werde dann berichten). 
    Ich selbst habe bei drei Einraumbeuten diese Probleme feststellen können und werde in einer Einraumbeute definitiv den Boden austauchen müssen (ggf. abschleifen und wieder einsetzen oder eben komplett erneuern).
    Nun weiß ich aber um diesen Makel und kann entsprechend darauf reagieren. Andere Hersteller (nicht Mellifera) bieten die Einraumbeute ja auch noch mit offenem Boden an – die werden das Problem sicherlich nicht haben
  • Ein riesiger Nachteil: das Informations- und Leistungsangebot zur Einraumbeute:
  1. Es gibt kein eigenes Forum für spezielle Fragen zu dieser Betriebsweise. In der Vergangenheit konnte ich beim Forum der Bienenkiste immer mal wieder die ein oder andere Frage loswerden, aber ein eigenes Netzwerk wäre sowas von hilfreich.
  2. Die Informationen auf der Webseite von Mellifera zur Einraumbeute sind nicht immer ganz aktuell oder werden nur spärlich aktualisiert: die FAQ ist seit zwei Jahren im Aufbau, das Oxalsäure-Sprühverfahren ist auf manchen Inhaltsseiten demnach noch immer nicht zugelassen usw. Ich finde die Webseite sehr ansprechend gestaltet, ich vermisse aber neue und regelmäßige Informationen (weil es eben keine anderen Quellen gibt). Im Vergleich: die Seiten der Bienenkiste sind so umfassend und das Netzwerk so aktuell und aktiv, das macht Freude!
  3. Die Videos, die es bei Youtube gibt, kann man fast an einer Hand abzählen. Ich schaue mir schon manchmal die Videos der Bienenbox (für mich die kleine Schwester der Einraumbeute) an, auch die Webseite liefert gute Informationen zu Arbeiten im Jahresverlauf (eben besonders für Anfänger/innen), die auch für den Einsatz der Einraumbeute uneingeschränkt gelten. Insgesamt sind die Informationen zur Bienenbox im Internet besser aufbereitet und für Anfänger/innen gestaltet.
  4. Das Angebot zu Beute und insbesondere Zubehör ist sehr überschaubar. Das vermisse ich schon: einfach in den Imkerfachhandel gehen und shoppen. Ich kann nur über das Internet ein paar wenige Artikel bestellen (wohne in Norddeutschland im Umland von Bremen) – Rähmchen, Futtertaschen, Ablegerkästen usw.
    Das gilt natürlich auch für gebrauchte Artikel bei Kleinanzeigen usw.
  5. Die Beschaffung von Ablegern und Völkern ist denkbar schlecht, weil die Rähmchenmaße eben nie kompatibel sind. Dadant findet man auch bei uns im Bremer Raum, aber eben nie im Hochhformat. Auch wenn reine Brutwaben erworben werden müssen, um ein Volk aufzupäppeln, ist dies immer mit kleinen Umbaumaßnahmen verbunden (also Dadant um 90° drehen und an eigene Oberträger befestigen, nicht so gut). Dies gilt natürlich nur, solange man nicht selbst genügend Völker hat, um schwächere Völker zu unterstützen und Waben auszutauschen. Aber gerade am Anfang beginnt man ja eben nicht mit einem halben Dutzend Wirtschaftsvölker. Deshalb sind die ersten ein bis zwei Jahre schon schwierig.
  6. Fortbildungen für genau diese Bienenwohnung kann man ebenfalls an einer Hand abzählen. Ich habe einen Bienenkisten-Kurs gemacht und dann im normalen Inkerverein an einem Imker- und Honiglehrgang teilgenommen. Bienenkiste und Einraumbeute waren dort kein Thema - wurden nur müde belächelt. So ist das eben.
    Da ist es dann auch schwierig, einen Imkerpaten zu finden, der einerseits in der Umgebung wohnt, um im Bedarfsfall vor Ort zu helfen und andererseits mit dieser Art der Bienenhaltung auch etwas anfangen kann.
    Hier kann ich nur empfehlen, die neuen Kurse von Mellifera zu besuchen, die deutschlandweit angeboten werden. Nur hier kann man aktuell die speziellen Informationen erhalten und die Handgriffe erlernen (zugegeben, die Kurse sind deutlich teurer als die in einem Imkerverein, aber der Gewinn und der Austausch mit Gleichgesinnten ist so unglaublich wichtig!). Alternativ könnte ich mir vorstellen, dass die Kurse zur Bienenbox auch sehr hilfreich sind.
    Vielleicht wird sich das ja auch in den nächsten Jahren ändern und diese Bienenhaltung findet den Einzug in die Imkervereine (zumindest auf dem Land, in den Großstädten mag dies schon anders sein).